Bericht zu den Gegenprotesten in Kandel am 06. Oktober

Am 06. Oktober sind wir mit unseren GenossInnen des OAT Mannheim ein weiteres Mal nach Kandel gefahren, um der stets anhaltenden rassistischen Mobilmachung des selbsternannten „Frauenbündnis“ Kandel um Marco Kurz entschieden entgegenzutreten. Anlass hierfür ist der Tod einer 15-jährigen, welche im letzten Dezember von ihrem Ex-Freund erstochen wurde. Nicht aber die patriarchale Gewalt, sondern einzig und allein die nicht-deutsche Herkunft des Täters treibt nun seit Monaten mehrere hundert Rassisten auf die Straßen Kandels. Nachdem bei den letzten Malen der antifaschistische Gegenprotest angesichts schwieriger Voraussetzungen (örtliche Gegebenheiten, fehlende Strukturen vor Ort & ein überzogenes Verhalten seitens Behörden und Polizei) zurückgegangen ist, können die Gegenproteste im Oktober als voller Erfolg gewertet werden. Basis dieser Entwicklung ist die überregionale Zusammenarbeit antifaschistischer Gruppen, wodurch es letzten Endes gelang, ein breites Bündnis auf die Beine zu stellen, um die Spaltung zwischen radikalem und bürgerlichem Protest zu durchbrechen. Von enormer Bedeutung ist hierbei die starke lokale Verankerung des Bündnisses.
So gelang es über 400 AntifaschistInnen zu den Protesten im Oktober zu mobilisieren. Vom Bahnhofsvorplatz zog eine ausdrucksstarke Demonstration in Richtung der Auftaktkundgebung der Nazis. Dort angekommen nutzten einige engagierte AntifaschistInnen die Gelegenheit um Polizeiabsperrungen zu umgehen und bis auf wenige Meter an die Rechten heranzukommen. Dadurch konnten insgesamt 3 von 4 direkten Zufahrtswegen blockiert werden. Marco Kurz und sein „Frauenbündnis“ waren von der unmittelbaren und lautstarken Konfrontation sichtlich gestört:
Wegen lauter Parolen, Tröten und Sirenen wurde die Veranstaltung mehrere Male unterbrochen, mit der Aufforderung an die Polizei die Blockade zu räumen. Vorher könne die Veranstaltung nicht fortgesetzt werden. Die Polizei drohte den 30-40 AntifaschistInnen mehrfach mit der Räumung, beließ es jedoch letzten Endes bei Drohgebärden und konnte keine Räumung der entschlossenen Gegendemonstranten durchsetzen.
Die rechten Demoteilnehmer waren davon sichtlich verärgert und gedemütigt; nach fast zweieinhalb Stunden Verspätung zwischen Wut, Unverständnis und lautstarkem Gejammer zogen die Rechten dann doch auf Ihrer Route los, ohne Ihren Willen durchgesetzt zu haben. Nach diesen äußerst erfolgreichen Blockaden, vereinte sich die antifaschistische Demonstration erneut um parallel zu den Rechten mit eigenen Inhalten zur Abschlusskundgebung zu ziehen. Hier kam es dann erneut zu lautem Protest, einigen Eierwürfen sowie einem Pfeffersprayeinsatz der Polizei, als AntifaschistInnen versuchten zu rechten Demoteilnehmern zu gelangen. Nachdem auch die Abschlusskundgebung so erfolgreich gestört werden konnte, zog eine antifaschistische Spontandemonstration zurück zum Bahnhof um eine sichere Abreise zu gewährleisten.

Die Polizei machte an diesem Tag mal wieder mit überzogener und unnötiger Gewalt auf sich aufmerksam:
Mehrere AntifaschistInnen wurden beim Versuch einen Weg zu blockieren mit Pfefferspray und Schlagstock angegriffen, hierbei kam es unter anderem zu einer Platzwunde am Kopf. Später wurde ein Polizeihund auf einen Antifaschisten gehetzt, als dieser vom Blockadepunkt zu der angemeldeten Demonstration zurückkehren wollte. Die Darstellung der Polizei der Demonstrant hätte den Hund angegriffen ist eine dreiste Lüge. Mehrere Augenzeugen bestätigen, dass der Hund wissentlich und ohne triftigen Grund auf die Person gehetzt wurde. Darauf verbiss sich der Hund in Arm und Oberschenkel des Opfers, während sich gleichzeitig noch mehrere Polizeibeamte gewaltsam auf den Demonstranten stürzten. Im Anschluss wurde dem Betroffenen die zwingend nötige medizinische Hilfe verwehrt, wir verweisen hier gerne auf die Pressemitteilung der Demosanitäter Süd-West.
Dieser willkürliche Polizeiübergriff zeigt erneut eindrücklich, wie die Polizei mit allen Mitteln die Straße für Faschisten und Menschenfeinde freiprügelt. Auch wenn sich das Ereignis in eine lange Liste von Polizeigewalt einreiht, sind wir angesichts der Brutalität und der Kaltschnäuzigkeit schockiert und verurteilen diesen widerwärtigen Angriff zutiefst.
Wir wissen, dass wir von dieser Institution keine Gerechtigkeit zu erwarten haben, hoffen jedoch, dass der Vorfall auch einigen Anderen die Augen für die abscheuliche Praxis der Polizei öffnet.

Trotz der Verletzten und einigen zwischenzeitlichen Festnahmen, werten wir den Tag als vollen Erfolg: Während die Nazis nur noch ein Zehntel Ihres ursprünglichen Potenzials (Anfangs 3000 TeilnehmerInnen) auf die Straße brachten, gelang es dem Gegenprotest erstmals seit März wieder, die rechte Demonstration mengenmäßig zu überbieten. Außerdem hat sich gezeigt, dass auch unter widrigen Bedingungen – auch im Jahr 2018 – Naziaufmärsche empfindlich gestört und blockiert werden können. Die kontinuierliche Arbeit aller Beteiligten der letzten Monate, trotz widriger Umstände für die Proteste, hat sich letzten Endes ausgezahlt. Besonders wichtig finden wir jedoch die seit kurzem erfolgreiche Bündnisarbeit vor Ort. Es ist gelungen gemeinsam mit BürgerInnen aus Kandel und überregional angereisten AntifaschistInnen einen ausdrucksstarken Protest auf die Straße zu bringen und Marco Kurz und sein Frauenbündnis zu blamieren. Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, sich nicht untereinander spalten zu lassen, sondern gemeinsam gegen den Rechtsruck und Menschenfeinde jeglicher Art einzustehen.

Alerta! Alerta! Antifascista!

Antifaschiste Aktion Aufbau Mannheim

(Fotos folgen!)


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